Rettungsdienst in der Tschechischen Republik

Notrufnummern

In Notfällen wählt 155 für Rettungsdienst, 158 für Polizei oder 150 für Feuerwehr. Die Europäische Notrufnummer 112 ist auch vorhanden und wird durch die Feuerwehr abgefragt.

Statistiken für 2004

·         In der ganzen Tschechischen Republik wurden insgesamt 614.733 primäre Rettungseinsätze durch alle Rettungsdienste abgearbeitet. Im Durchschnitt waren es 1675 bodengebundene Rettungseinsätze und 15 Einsätze mit den Rettungshubschraubern (einschliesslich Sekundär- und Verlegungsflüge)

·         Das heisst, dass 6.174 primäre Notfalleinsätze auf 100.000 Einwohner im Jahr zu verzeichnen sind.

·         Pro Tag hatte durchschnittlich jeder Rettungswagen 3,9 und jeder Rettungshubschrauber 1,5 Einsätze.

·         In 63% aller Rettungswagen gehört ein Notarzt zur Stammbesatzung.

·         56% aller Rettungsflüge waren Primäreinsätze an einer Unfallstelle, 44% waren dringende Patientenverlegungen

·         Es existiert keine einheitliche Statistik für Wiederbelebungen nach dem „Utstein-Styles“ Protokoll, aber zum Beispiel auf dem Gebiet der Hauptstadt Prag wurden im Jahr 2004 nach einer Wiederbelebung im guten neurologischen Stand 11,8%, der 29% wiederbelebten Patienten mit Kammerflimmern entlassen.

 

Danke für Ihren Besuch auf www.zachrannasluzba.cz , der populärsten, unabhängigsten und gemeinnützigen Homepage des tschechischen Rettungsdienstes. Während die vollständige Homepage in tschechische Sprache (sie ist sehr nett, aber ein wenig schwierig zu erlernen) geschrieben ist, haben wir mindestens eine kleine deutsche Zusammenfassung des Rettungsdienst-Systems in unserem Land vorbereitet. Zögern Sie nicht, uns an info@zachrannasluzba.cz  alle möglichen Fragen und Anmerkungen zu verschicken. Auch vergessen Sie nicht, unser Fotogalerie zu besuchen, die nicht nur, aber meistens Abbildungen des tschechischen Rettungsdienstes enthält.

Tschechische Republik im Herzen von Europa In der tschechischen Republik (10.000.000 Einwohner) hat der Rettungsdienst eine lange und berühmte Tradition (der erste „Rettungsdienst“ mit den Namen “Prager freiwilliges Rettungskorps"  wurde 1857 gegründet). Da er auf den Traditionen der deutschsprachigen Länder basiert, ist ein Arzt normalerweise ein Mitglied der Besatzung. Für dieses besteht eine Anzahl von Gründen.

Zuerst vor allen - glauben wir, dass ein gut ausgebildeter Notarzt eine hochwertigere Behandlung zu Verfügung stellen kann, besser als ein guter paramedic oder eine Rettungs-Krankenschwester das tun können - besonders in den lebensrettenden und lebenserhaltenden Massnahmen. Zusätzlich - haben nur wenige Krankenhäuser haben eine interdisziplinäre Notaufnahme. Das "Pavillon" System der älteren Krankenhäuser, wo jede Abteilung in einem eigenem Haus untergebracht ist, erfordert eine exakte präklinische Triage, die auf klinische Zeichen und Symptome mit begrenzter Überwachung und gute Diagnosefähigkeiten basiert. Diese Triageherausforderung erfordert eine grosse Erfahrenheit des vor Ort tätigen Personals, die im Allgemeinen geglaubt wird, ein Arzt sein sollte.

Aber - andererseits - gibt es ebenfalls Rettungsmittel im Land, die mit einem  „Paramedic“ oder (Rettungs-)Krankenschwestern/Krankenpflegern für Intensivmedizin und einem Sanitäter besetzt werden, und ebenfalls an der Notfallrettung teilnehmen, aber nicht lebensbedrohliche Notfallpatienten versorgen oder für einen Notarztwagen voraus fahren.

Teamführerin auf einem Rettungswagen ohne Notarzt ist meistens eine Rettungs-Krankenschwester mit einer langen klinischen Erfahrung. In den letzten Jahren ein Studienlehrgang zum Paramedic entstanden. Die Studienlehrgänge dauern 3 Jahre und beinhalten ebenfalls eine lange und intensive klinische Ausbildung. Die Herausforderung besteht zurzeit darin, dass Paramedics keine zugelassene Stellung oder Anerkennung haben, und dürfen theoretisch nicht vom Arzt unabhängig arbeiten.

Ein Notarztwagen wird zusätzlich zum Paramedic / Rettungsschwester und Sanitäter zusätzlich mit Notarzt besetzt. Immer häufiger aber, werden den Notarzteinsatzfahrzeuge (Rendes-Vous System) eingesetzt, wo der Arzt mit einem PKW zum Rettungswagen gebracht wird. Dieses System hat sich im Prag seit 1986 sehr gut bewährt.

 

Überwältigende Mehrheit unserer Rettungswagen ist sehr gut ausgerüstet und entsprechen Europäischen- und Weltstandards auf diesem Gebiet. Die meisten von ihnen basieren auf weithin bekannten Nutzwagen wie Mercedes, Ford, Renault, Volkswagen oder Iveco.

Es gibt eine andere Reihe von aus Krankenhauseinrichtungen die einen „Ärztlichen Notdienst“ mit Telefonberatungsdienst betreiben. In einem Land, das nicht die erforderlichen gemeinsamen Notaufnahmen hat, ist dieser Service eine Notwendigkeit. Dieser Service funktioniert hauptsächlich abends, nachts und am Wochenende. Tagsüber werden diese Patienten hauptsächlich mit dem Krankentransport direkt zu den niedergelassen Ärzten gebracht.

Der Rettungsdienst ist ein eigenständiges Amt wird durch die Bezirksämter betrieben. Rettungsleitstellen haben ihre eigene nationale Notrufnummer - 155. Polizei und auch die Feuerwehr haben jeweils eine eigene nationale Notrufnummer und jeweils eigene Leitstellen. Die "Europäische Notrufnummer - 112" gibt es auch in der Tschechei und wird durch Feuerwehr Telefonzentralen angenommen, welche die Notrufe an die zuständigen nationalen Notrufnummern weiter verbinden oder die Notruf-Meldungen an sie übermitteln. Dieser Service ist gut für nicht tschechisch sprechende Touristen, aber zeitsparender und von Vorsteil ist es, die nationale Notrufnummer zu wählen und direkt mit der Rettungsleitstelle zu sprechen, somit können besser die Prioritäten schon bei der Notrufabfrage gesetzt werden. Alle Notrufe werden von mindestens einer Rettungs-Krankenschwester angenommen. Einige Rettungsleitstellen halten für medizinische Anfragen noch einen Notarzt vor.

In der Tschechischen Republik gilt für den Rettungsdienst eine Hilfsfrist von 15 Minuten. Das Netz der Rettungswachen ist bereits landesweit für diese Hilfsfrist angepasst worden und wird weiter ausgebaut. Die Qualität der Leistungen in der präklinischen Notfallmedizin sollen durch die Bezirksbehörden überwacht und garantiert werden.

Der bodengebundene Rettungsdienst wird durch ein umfangreiches System strategisch stationierten Rettungshubschraubern unterstützt, damit niemand weiter als 50 km Luftlinie von einem Rettungshubschrauber-Standort wohnt. Unser Land hat 10 solche Rettungshubschrauber-Standorte. Die meisten haben zwischen 400-500 Einsätzen im Jahr, und 2004 gab es 5.471 Patienten, die mit einem der  Hubschrauber geflogen worden sind. Sieben der Rettungshubschrauber werden durch private Anbieter geflogen, zwei Hubschrauber fliegt die Polizei und einen fliegt die Tschechische Armee. Das medizinische Personal und die Rettungsausrüstung werden normalerweise durch den Rettungsdienst gestellt, wo der jeweilige Rettungshubschrauber stationiert ist.

Der tschechische Rettungsdienst wird durch lokale Behörden, wie Magistrat und Kreisämter, in Zusammenarbeit mit allgemeinen Krankenversicherungen finanziert.  Die Luftrettung wird direkt durch das Gesundheitsministerium organisiert und finanziert.

Vom pädagogischen Gesichtspunkt, sind eine gute Ausbildungen und regelmässige Fortbildungen auf dem Gebiet der Notfallmedizin sehr wichtig. Ein ausführlicher Lehrplan ist von engagierten Ausbildern, für alle Gruppen der Notfallmedizin und Notfallversorgung, erstellt worden.

Die Notfallmedizin wurde im Jahr 1999 als ärztliche Fachrichtung anerkannt. Am Anfang musste man ein Aufbaustudium zu einer klassischen Fachrichtung besuchen, inzwischen ist die Notfallmedizin mit anderen Fachrichtungen gleichgestellt und kann direkt studiert werden. Bis jetzt haben bereits mehrere hundert Ärzte diese Qualifikation erlangt. Die Mehrheit der Notärzte in der Tschechischen Republik sind traditionsgemäss Anästhesisten. Die meisten Notärzte arbeiten in 12 Stunden Schichten 14 bis 16mal im Monat.

Auch wenn die Krankenkassen bis jetzt die Arbeit der Notaufnahmen nicht offiziell anerkannt haben und sie den Krankenhäusern auch nicht bezahlen, entstanden bereits in der Vergangenheit in verschiedenen Krankenhäusern gemeinsame Notaufnahmen und weitere Häuser haben bereits diese in Planung. Aber ihre Funktion ist sehr verschieden – von Notaufnahmen für 2 lebensbedrohliche Patienten bis hin für moderne Grossaufnahmen.

Verfasst durch Dr. med. Ondrej Franek (Leiter der Rettungsleitstelle Prag), www.zachrannasluzba.cz ,  Übersetzung Peter Stehlik (Rettungsassistent ASB-Frankfurt/Main)